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Schritt für Schritt - zweites Workcamp in Rumänien

28 Oktober 2019
 Oktober 28, 2019

Schritt für Schritt – das war das Motto des diesjährigen Workcamps in Rumänien. Sechs Schülerinnen und sechs Schüler aus Religionskursen der Oberstufe, verstärkt durch zwei Schüler vom Theodor-Heuss-Gymnasium Kettwig, fuhren für eine Woche in die Banater Kleinstadt Lipova, um die dortige Caritas-Arbeit kennen zu lernen und zu unterstützen. Beides – das Kennenlernen und die Mitarbeit – geschah „Schritt für Schritt“ im Sinne des diesjährigen Mottos. Die Jugendlichen, begleitet und vorbereitet von Frau Dr. Felbecker und Frau Kost, brachten keine fertigen Konzepte mit oder den Anspruch, vor Ort alles zum Besseren zu verändern, wohl aber die Bereitschaft zu Schritten – weg vom Gewohnten und Bequemen, von Vorurteilen und vertrauten Maßstäben, offen für neue Eindrücke und Erfahrungen.
Schritt für Schritt – das hieß schon in der gründlichen Vorbereitung, die ein ganzes Wochenende und einen Rumänisch-Crashkurs umfasste, das eigene soziale Handeln zu reflektieren, sich in Rollenspielen auf mögliche Begegnungen vorzubereiten sowie wichtige Wendungen und Dialoge einzuüben, um in Lipova nicht nur ein wenig in den Schuhen der Menschen zu gehen, sondern auch ihre Sprache zu sprechen. Dazu gehörte auch die Auseinandersetzung mit den Prinzipien der kulturbewussten Komunikation (nach Maximilian Engl).
In Lipova führten die ersten Schritte zu den Einrichtungen der Caritas: zur Sozialstation, die für die Stadt und eine Reihe umliegender Dörfer Anlaufstelle bei diversen Nöten ist, zur Armenküche, die sehr bedürftige Menschen täglich mit warmem Essen versorgt, zum Lager mit Kleider- und Möbelspenden. Die Jugendlichen halfen den Caritas-Mitarbeitern beim Ausfahren des Essens und beim Verteilen von Grundnahrungsmitteln auf verschiedenen Dörfern, wo sie Menschen in extrem maroden Wohnsituationen kennen lernten.
Weitere Schritte führten sie zu verschiedenen Menschengruppen: Über fünfzig Kinder kamen zum Kinderfest mit Spielen, Schminken, Basteln und Zuckerwatte. In einem Heim für geistig behinderte Menschen pflanzten sie gemeinsam mit den Bewohnern einen Baum als Symbol der Hoffnung und spielten Bingo. Mit einer rumänischen Jugendgruppe verständigten sie sich auf Englisch und tauschten Spiele aus: Die Rumänen lernten „Capture the flag“ und „Die Werwölfe von Düsterwald“, die Deutschen ein rumänisches Pantomime-Schlangen-Spiel. Beide Gruppen zusammen luden alte und behinderte Personen zu einem Kaffeeklatsch mit rumänischen Tänzen und deutschem Querflötenspiel ein. In kleinen Gruppen besuchten sie alte Damen mit kleinen Geschenken und wurden mit Nüssen und Trauben bewirtet. Immer trafen sie auf Menschen, die ihnen offen begegneten und sie herzlich aufnahmen.
Die diesjährige Baustelle stellte eine große Herausforderung dar, die aber Schritt für Schritt gemeistert werden konnte. Auf den ersten Blick konnte sich niemand vorstellen, hier zu leben: in einem undichten Häuschen von fünf mal drei Quadratmetern mit nur einem völlig aufgeplatzten Sofa als Schlafplatz für die Mutter und zwei Kinder, ohne Bodenbelag. Die wenigen Habseligkeiten lagen auf dem nackten Steinboden. Wasser musste in einem Eimer aus einem Ziehbrunnen geholt werden, zu dem man auf einem abschüssigen Trampelpfad kommt. Hier arbeiteten die Jugendlichen in Teams an verschiedenen Stellen: Außen wurde das Haus zuerst mit einem Drahtgitter versehen und dann in mehreren Schichten neu verputzt, ehe es einen Anstrich bekam. Innen galt es, verschiedene Farbschichten von den Wänden abzuspachteln, diese dann zu glätten und anzustreichen, die Fensterrahmen abzuschmirgeln und zu lackieren und den Boden mit dünnen Schaumstoffmatten und Sperrholzplatte auszulegen. Am Ende bekam die Familie Möbel aus dem Caritas-Lager sowie Bettwäsche und Handtücher, die eine Schülerin mitgebracht hatte. Nun sah alles aus wie neu. Ebenso wichtig wie die Renovierung an sich war für die Mutter jedoch die Erfahrung, dass sie in ihrer Armut nicht vergessen war. Und die Kinder, stolz ausgestattet mit Arbeitshandschuhen aus Deutschland, freuten sich über Spielkameraden.
Schritt für Schritt … enstanden in gemeinschaftlicher Arbeit bessere Lebensbedingungen für eine Familie … lernten die CHG-Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Fähigkeiten besser kennen und trauten sich mehr zu … gingen sie auf Menschen in Rumänien zu in einem Austausch von Geben und Nehmen, von Schenken und Beschenktwerden, mit unauslöschlichen Eindrücken.

Text und Fotos: Dr. Felbecker

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