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4 Februar 2021
 Februar 4, 2021

Thema der Begabten-Woche der Wolfsburger Herbstakademie 2020

Die Wolfsburg ist ein Kooperationspartner des Bildungsministeriums von NRW. Sie hat das Modul „Begabte fördern“ ins Leben gerufen und beschäftigt sich seit jeher mit dem Weiterbilden der besonders begabten und engagierten Schülerinnen und Schülern der Schulen aus ganz NRW. Je Schule können sich die Lehrer auswählen, welcher Schüler/ welche Schülerin dieses Mal an der Herbst- oder Frühlingsakademie teilnehmen darf. Ich hatte dann das große Glück von meiner Lehrerin angeschrieben zu werden, welche fragte, ob ich nicht Lust hätte, an dem Angebot der Wolfsburg teilzunehmen.

Ich überlegte nicht lange und sagte zu, jedoch muss ich gestehen, dass ich nicht zugesagt hatte, weil ich dachte, dass es bestimmt Spaß machen würde, sondern weil ich dachte, dass man so ein Angebot nicht noch einmal bekommt und so ein Zertifikat wahrscheinlich echt gut aussieht, wenn da dein Name in Verbindung mit der Begabtenwoche auftaucht. Ich muss ehrlich gesagt auch zugeben, dass ich Hemmungen hatte, dort hinzugehen. Ich kannte ja keinen und hatte echt Angst, dass alle Schüler, die dort hinkommen, nur Spaß an Mathe haben und den ganzen Tag nur wissenschaftliche Bücher lesen, dementsprechend kein weiteres Interesse an den typischen Dingen wie Sport, Partys oder Freundetreffen hatten. Ich hatte eben die typischen Vorurteile, die jeder so hat, wenn man das Wort „Begabte“ hört. Außerdem hatte ich Angst, dass ich von allem, was wir in der Wolfsburg besprechen würden, nichts verstehe, da ich mich selbst nicht als begabt einschätze. Kurz gesagt, ich hatte Angst in der WG von der Big Bang Theory zu landen.

Es kam aber alles ganz anders. Wir waren ca. 20 Teilnehmer mit insgesamt vier Teamern. Die Skepsis, mit der ich an die Begabtenwoche heran gegangen war, löste sich schon bei der Ankunft in der Wolfsburg und dem ersten Aufeinandertreffen der Gruppe auf. Die Teamer, vor allem Dr. Matthias Keidel, den wir mit Matthias ansprechen durften, waren immer gut drauf und waren, was das Thema anging, sehr ernst, aber auch immer in angemessenen Augenblicken zu Scherzen aufgelegt, mit denen sie die Themen lebendig machten und greifbar erscheinen ließen. Unsere Aktivitäten fingen bereits um 9 Uhr morgens an und endeten so gegen 21:30 Uhr. Da denkt man sich erst einmal, dass der Zeitplan viel zu straff sei und man ja keine Zeit für sich hat. Das stimmt auch mehr oder weniger, der Zeitplan war allerdings perfekt, obwohl man sich mit dem ein oder anderen Gast, der uns besuchte, etwas mehr Zeit gewünscht hätte. Zeit für sich brauchte man eigentlich auch nicht, da man so begeistert von der Herbstakademie und der Thematik war, dass man für das Thema brannte.

Am ersten Tag befassten wir uns vor allem damit, unsere Teamdynamik zu finden und uns gegenseitig kennen zu lernen. Wir wurden bereits am Nachmittag in kleine Expertengruppen eingeteilt, die dafür da waren, dass sich die 4 bis 5 Mitglieder mit einem Thema besonders auseinander setzten, die dann am Ende entweder einen Podcast Beitrag oder einen Zeitungsartikel erstellen sollten. Für jedes Unterthema gab es einen Vortrag von einem Gast. Die Gäste waren für mich das Interessanteste an der ganzen Woche, da sie die Vorbilder für uns waren, die es bereits schafften, ein Leben ganz ohne Plastik zu führen, uns aber auch zugleich die Grenzen eines plastiklosen Lebens aufzeigten.

Wir hatten die Gründerinnen eines Unverpacktladens als Gäste da, die wir später in der Woche sogar in ihrem Laden „Püngel und Prütt“ in Mühlheim besucht haben. Wir hatten einen wichtigen Mitarbeiter des Hilfswerkes Misereor, Dr. Henry Schürmann, aus Berlin und den Manager für die Edeka Filialen von Rhein und Ruhr, Oliver Salzmann, zu Gast. Außerdem informierte uns eine Medizinstudentin über Mikroplastik, eine Psychologin erklärte uns, wie wir am besten unsere Lebensweise verändern und somit dem Plastik den Kampf ansagen, und eine Plastikaktivistin von BUND informierte uns über ihre Arbeit.  Neben dem Ausflug zu „Püngel und Prütt“ sind wir auch zu der GMVA (Gemeinsame Müllverbrennungsanlage) gefahren und wir durften an einer Führung teilnehmen, die uns schockierende Bilder und Zahlen des Müllverbrauch von uns Deutschen präsentierte.

Den drei Besitzerinnen des Unverpacktladens durften wir viele Fragen stellen, woraufhin sie uns einige Wege und Möglichkeiten eröffneten, wie man als Laden mit integriertem Café auf Plastik verzichtet und nur saisonale Waren verwendet und somit zu einem low-waste Cafe wird. Dieser Vortrag hat uns alle inspiriert und mit Hilfe der Mittel und Wege, die uns die Psychologin beigebracht hatte, waren wir schon ganz erpicht darauf, unseren Lebensstil zu ändern, sobald wir nach Hause kämen. Das Ganze wurde zusätzlich von Dr. Henry Schürmann verstärkt, da er uns von seinen unzähligen Reisen berichtete, die er im Auftrag von Misereor unternommen hatte, um Projekte durchzuführen, bei denen es vor allem darum ging, die Folgen des Plastikexportes in die ärmeren Länder auszugleichen bzw. zu verringern und den dort lebenden Menschen und Tieren ein nach Möglichkeiten vom Plastik nicht beeinträchtigtes Leben zu ermöglichen. Wir waren alle so begeistert von ihm und den Dingen, die er unternommen hat, um die Folgen unsere Konsumgesellschaft auszugleichen, dass wir alle davon überzeugt waren, etwas ähnliches zu machen, wenn es irgendwann darum ginge, uns einen Karriereweg auszusuchen. Am Folgetag hörten wir den Vortrag von Oliver Salzmann, der uns ermöglichte, die Sicht auf das Plastik von einem Unternehmer einzunehmen, was uns natürlich in unseren „Weltverbesserungsträumen“ etwas bremste und uns wieder zu der realistischen Denkweisen zurückbrachte. Oliver Salzmann war für uns sehr zugänglich und hatte auch keine Hemmungen, unsere Fragen ehrlich zu beantworten, auch wenn diese für einen Unternehmensmanager ziemlich unter die Gürtellinie gingen. Wir hatten auch einige Verbesserungsvorschläge, um Kunden davon abzuhalten weiterhin viele Plastiktüten zu kaufen, die wir ihm eröffneten, die er uns jedoch teils schnell ausredete, da manche wirtschaftlich ziemlich utopisch waren, andere nahm er allerdings auch begeistert an und wollte diese direkt am nächsten Tag bei dem zentralen Managementtreffen in Hamburg ansprechen.

Wir duften bei der Herbstakademie so viele interessante Menschen kennen lernen und wir hatten eine so schöne Zeit in einer Gruppe, die einen familiären Umgang miteinander pflegte, dass am Ende der Woche, als es darum ging, sich zu verabschieden, viele Tränen geflossen sind.

Ich habe so viel aus der Herbstakademie mitgenommen, das ich an Erfahrungen nicht mehr missen möchte. Ich habe vieles gelernt, sei es formell, dass wir uns angeguckt haben, wie ein Zeitungsartikel funktioniert und nicht nur, wie man es in der Schule lernt, also wie man einen schreibt. Ich habe zusammen mit Freunden auf eine professionelle Art und Weise einen Podcast aufnehmen dürfen und ich habe zwischenmenschlich auch viel für mich persönlich mitgenommen.

Ich würde jedem empfehlen an dem Modul “Begabte fördern” teilzunehmen, da alle Beteiligten mit Herzblut dabei sind und man am liebsten in allen Ferien mitmachen möchte. Ich werde die Menschen, die ich dort kennen lernen durfte, aufgrund ihrer Einzigartigkeit und der einmaligen Erfahrung nicht vergessen und noch anderen Leuten viel davon berichten.

Text und Fotos: Ricarda K.

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