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NIE WIEDER! – Erinnern an die Schrecken und Gedenken der Opfer der Reichspogromnacht vom 9.November 1938

14 November 2019
 November 14, 2019

Seit Anfang November sind diese zwei Worte, in Großbuchstaben gestaltet, in den Fenstern unserer Schule zum Laurentiusweg und zum Schulhof zu sehen und zu lesen: NIE WIEDER!

Mit diesen zwei Worten wollen wir als Schulgemeinde in diesen Tagen einen stummen Impuls setzen, der zum Nachdenken und zum Gespräch einladen soll über die Greul, die sich im Zusammenhang der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch in Essen ereignet haben. Ganz im Zeichen des Erinnerns standen auch die in diesem Zusammenhang vom Kollegium unserer Schule geplanten und in den Klassen und Kursen durchgeführten Gedenkveranstaltungen anlässlich der Reichspogromnacht. In diesen Gedenkveranstaltungen wurde ein Brief unseres Schulleiters Thomas Reuter verlesen, in dem er sich nicht nur auf die geschichtlichen Ereignisse im November 1938 bezieht, sondern auch noch einmal deutlich macht, was für unsere Gesellschaft wie auch für unsere Schulgemeinde gelten muss:  Kein Mensch darf wegen seines Glaubens, seiner Hautfarbe, seiner Nationalität oder anderer Unterschiede diffamiert, verfolgt oder getötet werden. (Den ganzen Brief können Sie unter folgendem LINK nachlesen: Gedenken der Reichspogromnacht)

 

Der antisemitische rechtsterroristische Anschlag auf die Synagogengemeinde in Halle am 9. Oktober diesen Jahres hat unseren Blick als Schulgemeinde auf die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 gelenkt, die sich in diesem Jahr zum einundachtzigsten Mal jährt. Nicht ein Einzeltäter, sondern tausende von SA- und SS-Männern haben diese Nacht für die noch in Deutschland verbliebenen Juden zu einem Alptraum gemacht.

1200 Synagogen wurden in Brand gesteckt, Thorarollen und Gebetbücher entweiht. Etwa 7500 jüdische Geschäfte wurden systematisch zerstört, Schaufensterscheiben eingeschlagen, Warenstände entweder vernichtet oder geplündert. Auch jüdische Privatwohnungen blieben von Verwüstungen nicht verschont. Es kam zur einer besinnungslosen Hetzjagd auf tausende von Juden. 91 Juden wurden in dieser Nacht von SA-Männern ermordet. Zugleich wurden 35.000 jüdische Männer zusammengetrieben und später in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau eingeliefert, die bereits im Oktober 1938 stark erweitert worden waren, um einige zehntausend zusätzliche jüdische Gefangene aufnehmen zu können.

Mehrere hundert weiterer Opfer starben in Folge der Pogromnacht in den Lagern an Misshandlungen und Unterkühlung oder begangen aus Verzweiflung Selbstmord.

Eine aufgebrachte Menschenmenge stimmte den Gräueltaten der NS-Schergen in dieser Nacht jubelnd und johlend zu. Andere wieder nahmen schweigend, gleichgültig oder hilflos hin, was sich vor ihren Augen an Menschenverachtung abspielt. Auch in Essen.

 

Seit mehr als 20 Jahren keimt in unserer Gesellschaft ein neuer Antisemitismus auf, der immer offener und unverhohlener gezeigt wird und in dem Anschlag von Halle eine neue Dimension von Hass und Gewalt gegen Juden erreicht hat. Eine Wirklichkeit, die uns mit unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern pessimistisch macht, ob je ein ganz normales jüdisches Leben in Deutschland möglich sein wird.

 

Wir wollen uns davon aber nicht in unserem beständigen Bemühen lähmen lassen, wachsam zu bleiben gegenüber jeglicher Form von Antisemitismus, laut und deutlich zu widersprechen,  wo dumpfe Vorurteile, Intoleranz, blinder Hass und Gewalt gegenüber anders denkenden und lebenden Menschen zum Ausdruck kommen. Und wir wollen engagiert einstehen für eine offene und friedliche Gesellschaft, in der die Unantastbarkeit menschlicher Würde erster Grundsatz ist.

 

In diesem Sinne wollen wir auch unsere pädagogische und politische Arbeit an unserer Schule verstehen und tun.

 

Text und Bild: Joachim Dahlhoff

 

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