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9 Oktober 2020
 Oktober 9, 2020

 

GLEICHGÜLTIG oder GLEICH + GÜLTIG

 

Gegen das Vergessen

 

In diesem Jahr jährt sich die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 zum 82. Mal: Vorbote einer bösen, grausamen Zeit, die Millionen von Menschen jüdischen Glaubens während des Naziregimes unermessliches Leid und qualvollen Tod gebracht hat. 

Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder durch verschiedene schulinterne Gedenkveranstaltungen und Aktionen versucht, mit unserer Schülerschaft Erinnerungsarbeit zu leisten und sie in kritische Auseinandersetzung zu bringen mit maskiertem und unmaskiertem Antisemitismus.

Nicht nur der mörderische Anschlag auf die Synagoge in Halle,  – die sich am 9. Oktober diesen Jahres zum ersten Mal jährt und in dessen Folge zwei Menschen ihr Leben verloren haben – sowie der jüngste Angriff auf einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge ‚Hohe Weide‘ machen diese Arbeit unbedingt notwendig. Auch die alarmierenden Zahlen antisemitischer Straftaten fordern uns heraus, wachsam zu bleiben und tatkräftig dagegen zu halten. Alleine im Jahr 2019 sind die Straftaten gegen Juden und jüdische Einrichtungen im Vergleich zum Vorjahr um rund 13 Prozent auf 2000 Straftaten angestiegen.

Im letzten Jahr gehörte u.a. zu unseren schulinternen Aktionen auch eine Fenstergestaltung mit einem kurzen Nachdenksatz: „Nie wieder!“

Wir haben die Idee eines kurzen Nachdenksatzes bzw. Nachdenkwortes auch für dieses Jahr aufgenommen. Jetzt sind in unseren Schulfenstern zum Hof und zur Straße „Laurentiusweg“ folgende Worte zu lesen: „GLEICH+GÜLTIG“! 

Ein Wortspiel mit dem Wort „gleichgültig“. Ein negativ besetztes Wort. 

Es beschreibt eine immer noch unter uns Menschen weit verbreitete Haltung, die sich vom Schicksal anderer Menschen wenig bis gar nicht berührt fühlt: „Mir doch egal! Was geht mich das an? Warum sollte ich mich damit belasten!“ – und damit Menschen mit ihrem leidvollen Schicksal sich selber überlässt bzw. an jene ausliefert, die ihnen nach dem Leben trachten.

Wenn wir dieses Wort aber trennen, erhält man die Wörter „gleich“ + „gültig“. Und schon gewinnt das Wort eine positive Aussage, ganz im Sinne unseres Grundgesetzes. Wir sind (alle) gleich und das ist gültig, das gilt. Ein Nachdenkwort, das uns nicht nur herausfordert, eigene Haltungsmotive kritisch zu bedenken, sondern auch unsere Tat einfordert, gegen jede Form von Antisemitismus hör- und sichtbar vorzugehen.

Dem wollen wir als weltoffene und den Werten unseres Grundgesetzes verpflichtete Schule nachkommen.

Thomas Reuter, Schulleiter

 

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