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Wahlkampf live für den Wähler von morgen

14 Mai 2017
 Mai 14, 2017
WArena (11)

 

Am Donnerstag, den 4. Mai 2017, waren neun neugierige Schüler aus der Jahrgangsstufe Q1, zwei Lehrer und der Schulleiter des CHG in den Studios des WDR in Köln anlässlich des Wahlabends live als Zuschauer dabei. Sie sahen sieben Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in NRW aus der Nähe und wurden Zeugen einer interessanten und hitzigen Debatte über die Zukunft des geliebten Bundeslandes. Neben dem aktuellen Thema der inneren Sicherheit interessierte sie vor allem das Thema Bildung. „Durch landesweiten Lehrermangel fällt an vielen Gymnasien der Unterricht aus, in manchen Fällen sogar Leistungskurs-Unterricht. Zudem belastet uns das System G8 und nimmt uns den Spaß an der Schule. Die Bildungspolitik muss uns endlich entgegenkommen und schülernah agieren.“, so ein Schüler. Nach rund 2 Stunden voller politischer Ideen, Wahlversprechen und Zukunftsvisionen von Seiten der Politiker ging es wieder zurück nach Essen. „So muss Schule aussehen.“, freut sich Lehrer Norbert Köhn, der bereits die Wahlnacht zur US-Wahl organisierte. „Nach Exkursionen wie Jugend im Dialog, der US-Wahlnacht und unserer schuleigenen Reihe ,Humann im Dialog‘ stellt dies einen weiteren Baustein in der Serie der politischen Veranstaltungen des CHG dar. Ich freue mich, dass unsere Schülerschaft politisch so interessiert ist.“, erklärt Schulleiter Stefan Uhlmann. Die Ideen der Politiker sorgten bei den Schülern und Lehrern für Diskussionsbedarf. Obwohl die meisten Schüler noch nicht wählen dürfen, konnten sie am folgenden Freitag ihre Erst- und Zweitstimme bei der U18-Wahl abgeben.

Felix N., Q1

 

 

Im Folgenden haben zwei teilnehmende Schüler ihre Erlebnisse im Fernsehstudio und die verschiedenen politischen Statements der Spitzenkandidaten nach bestem Wissen und Gewissen zusammengefasst. Es wird keine Garantie für die richtige Wiedergabe der Positionen übernommen. Hierzu kann man sich die Aufzeichnung der „Wahlarena“ in der WDR-Mediathek ansehen oder die Veröffentlichungen der Parteien studieren.

 

Im Studio des WDR angekommen waren wir erstaunt über die Organisation – getroffene Maßnahmen zur Prävention von Notsituation: Unsere Namen und Identitäten wurden und in das Studio durften weder Jacken noch Taschen mitgenommen werden. Eine viertel Stunde vor Anfang der Sendung wurden wir alle zusammen platziert und in die Regeln eingeführt. Für den nötigen Enthusiasmus sorgten die lustigen Bemerkungen des Warm-up-Moderators Thomas Peffermann, der zur Unterhaltung des Publikums die Notizen machende Emilie auf ihre Schreibfehler hinwies. Auch im weiteren Verlauf des Abends verwies er auf unsere Schule.

Dann endlich war es soweit: Wir mussten uns startklar machen, gefilmt zu werden. 3 – 2 – 1 – wir sind auf Sendung – mit dem Applaus der Zuschauer wurden die Kandidaten vorgestellt. Anwesend waren Armin Laschet (CDU), Hannelore Kraft (SPD), Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen), Christian Lindner (FDP), Marcus Pretzell (AfD), Özlem Alev Demirel (Die Linke) und Michele Marsching (Piraten). Die Moderatorinnen Ellen Ehni und Sabine Scholt starteten die Diskussion, indem sie die Kandidaten nach ihren Autos und dem nötigen Kraftstoff befragten, um auf das Thema Infrastruktur und Abschaffung von Diesel zu kommen. Die Grünen sind für die Abschaffung von Diesel und die Einführung von Elektromobilität, die FDP will den öffentlichen Nahverkehr ökologisch umstellen, denn das Problem liegt – Lindners Meinung nach – auf europäischer Ebene. Die SPD findet, es solle kein Diesel-Fahrverbot geben, sondern man müsse die öffentlichen Verkehrsmittel auf Elektroantrieb umstellen, die CDU schloss sich an. Das Konzept muss in den Städten beginnen und dann auf längere Strecken spezialisiert werden, da man dafür längere Zeit braucht. Dazu erwidert Kraft, dass e-Autos zu teuer sind und deshalb keine Wirkung erzielen, deshalb nehme man sich für die nächsten Jahre die Erneuerung vor. Beim Thema der Preise für öffentliches Verkehrsmittel sind sich die Piraten und die Grünen einig: Sie schlagen ein Ticket für 2 € für ganz NRW vor, das wären 20/30 € pro Monat pro Person. Die Linke liebäugelt mit einem Sozialticket für 15 €. Diese Tickets sollen laut den Linken und den Piraten durch Steuern finanziert werden, für erstere wäre der Beitrag mit dem Umlagesystem 30 – 35 €, für letztere wären es 60 % der Steuern. Zum Thema Infrastruktur sagte die CDU, dass man sie „CO2 freundlicher“ machen solle.

Nun kam es zum Thema, dass wir so gespannt erwarteten: Die Bildung und die große Infragestellung des Turbo-Abis. Die Grünen, die CDU, die FDP, die Linke, die AfD und die Piraten sind für G9. Die SPD hingegen ist dafür, dass man sich vor Beginn der 10 als Schüler für G8 oder G9 entscheiden muss. Zudem sind CDU, FDP und SPD der Meinung, dass man die Qualität und Inhalte der Schulbildung verbessern muss. Dabei sind die Piraten und die Linke dafür, dass man den Lehrerberuf attraktiver macht und unbefristet anbietet.

Zum Thema Inklusion sind CDU und FDP für die Verbesserung an Schulen, soweit die Mittel reichen, während die AfD dagegen ist, wie es in ihrem Wahlprogramm steht, jedoch Pretzell dies abstritt. Das nächste Thema waren die Kitakinder. Die AfD findet, man solle das Kind bis zum dritten Lebensjahr zuhause lassen, weil eine Kita nur eine Fremdbetreuung für sehr viel Geld sei. Die SPD schlägt 30 Stunden kostenfrei vor, während die FDP und die Linke für den Ausbau von Kitas und die Verbesserung von Qualität und Flexibilität sind.

Das nächste große Thema war das aktuelle und brenzlige Thema der inneren Sicherheit. Dazu sagte die SPD, dass man mehr Polizisten einstellen solle, die CDU, dass man eine andere Haltung braucht und die Piraten finden, dass man unterscheiden solle zwischen der Sicherheit und der gefühlten Sicherheit. Die FDP möchte Realschüler für eine zweijährige Vorbereitung für die Polizei einstellen, wozu die SPD entgegnet, dass es kein Nachwuchsproblem bei der Polizei gibt. Beim Thema Videoüberwachung sind die Grünen und die Linke strikt dagegen. Letztere findet aber findet, dass man die Arbeitsbedingungen für die Polizei verbessern müsse. Zu dem Thema sagt die AfD lediglich, dass die Regierung versagt hat.

Das nächste Thema war „Flüchtlinge und die Integration“. Die CDU ist für die Integration aller, die Piraten sind für die Mitwahl und die Integration von Gastarbeitern. Laut SPD ist jeder, der sich an das Recht hält und Steuern zahlt Nordrhein-Westfale und nur Straftäter sollen abgeschoben werden. Für FDP und die Grünen dagegen sollen die Flüchtlinge zurück, sobald es in ihrem Heimatland sicher ist, außer sie integrieren sich in die Kultur. Die Linke findet, dass der Waffennachschub in die Kriegsländer gestoppt werden solle.

Das letzte Thema war die soziale Gerechtigkeit. Marsching fand, dass für die durchschnittliche Miete ein Mietspiegel eingeführt werden soll. Man solle unterstützt werden, damit jeder wohnen kann. Die SPD ist für eine Mietbremse und die Linke für einen Mindestlohn von 12 € und eine 30-Stunden-Woche, um eine gute Rente zu gewährleisten. Die FDP überdies sagt, dass das Angebot verbessert werden sollte, da es eine große Nachfrage, aber ein geringes Angebot gibt. Die Grünen sind für mehr Zuschuss für die Kinder, die das Geld durch die Schule bekommen sollen. Dazu ergänzen SPD und CDU, dass sie für die Verbesserung der Digitalisierung sind. Die AfD äußerte sich zu diesem Thema nicht und die Linke ist – dafür steht sie mit ihrem Namen – für bessere Sozialpolitik.

Zum Schluss sollte jeder Kandidat in einer kleinen Runde ein Fazit geben. Die SPD findet, dass die Linke nicht fähig ist zu regieren. Die CDU meint, dass die Linke und die AfD nicht gut für NRW sind und dass man eine Änderung im Land nur durch Führungswechsel erreichen kann. Die FDP findet, sie solle die dritte Kraft werden. Die AfD dagegen möchte eine „echte“ Opposition für das Land werden. Für Gerechtigkeit, Schutz der Umwelt und Bildung braucht man hingegen die Grünen und die SPD – so die Grünen. Das Statement der Piratenpartei beendete die interessante Debatte: Man muss sich die Frage stellen, wie die Politik in 20 bis 30 Jahren aussehen wird.

Und somit endete die hitzige Diskussion und – nach einer Liveschaltung in „WDR aktuell“ – damit auch der beeindruckende und interessante Abend. Zum Schluss schossen wir zur Erinnerung ein paar Fotos und traten den Rückweg an. Dieser war leider heikel, da sich unsere Bahn aufgrund von technischen Schwierigkeiten um eine Stunde verspätete und wir am Köln Bahnhof festsaßen. Die gewonnene Zeit nutzen wir dafür, uns über unsere Eindrücke auszutauschen und unsere Meinung über die Pläne der Politik zu äußern.

Am folgenden Tag konnten alle Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe trotz Minderjährigkeit ihre Erst- und Zweitstimme abgeben. Es fand nämlich die U18-Wahl statt. Frau Rodek organisierte die Veranstaltung und der EF SoWi-Kurs von Frau Dunsche verwaltete das „Wahllokal“. Nach der Auszählung stand fest, dass die meisten Junior-Wähler ihre Stimmen der CDU gaben. Es folgen die SPD auf dem zweiten Platz und die FDP auf dem dritten Platz. Bei den Gesamtergebnissen für NRW errang bei der U18-Wahl die SPD den ersten Platz.

Wir alle danken unseren engagierten Lehrern für diese beiden wunderbaren und interessanten politischen Ereignisse und sind sehr gespannt auf das Ergebnis der Wahlen diesen Sonntag.

Emilie D. und Felix N., Q1

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