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10 Dezember 2017
 Dezember 10, 2017
StFDLK17 (5)

Kursfahrt des Deutsch-LK nach Meta di Sorrent

Im Rahmen der Kursfahrt der Q2-Leistungskurse im Oktober 2017 flogen wir, der Deutsch-LK, nach Italien.

Bereits einige Zeit zuvor haben wir Goethes „Faust“ im Unterricht behandelt und beschlossen auf seinen Spuren Neapel und seine Umgebung zu erkunden. Goethe selbst besuchte sowohl Florenz als auch Neapel im späten 18. Jahrhundert. Aufgrund einer kreativen Blockade wollte er dort neue Kraft und Ideen schöpfen und diese anschließend zu Papier bringen.

Bereits vor unserer Ankunft am 15.10. haben wir uns in drei unterschiedlichen Gruppen über unsere Reiseziele informiert, sodass wir an jedem Tag eine Vorträge zu diesem Ort und seiner Bedeutung halten und den anderen darüber Auskunft geben konnten.

Am Tag der Ankunft wurden wir mit einem Bus vom Flughafen abgeholt und bereits auf der knapp einstündigen Fahrt konnte wir Italien und sein einzigartiges Panorama betrachten. Der Weg entlang der Küste bot einen unvergleichlichen Blick auf den Golf von Neapel, von dem man bis zur Insel Capri blicken konnte.

Früher als gedacht hatten wir die Möglichkeit den Ort Meta, wo sich unsere Unterkunft befand zu erkunden und uns mit dem Weg zum Strand vertraut zu machen.

Für Goethe sollte die Reise nach Italien zu einer „künstlerischen Wiedergeburt“ führen und der Tapetenwechsel im Land seiner Träume als Kind, seine bedeutsamen Eindrücke, welche sich auf seine Literatur wiederspiegeln sollten, erfüllen.

Der erste Tag ging mit einem Abendessen im Restaurant unserer Unterkunft zu Ende.

Am darauffolgenden Tag besuchten wir Neapel. Schon auf der Hinfahrt im Zug lernten wir Italien mit all seinen Facetten kennen: die typisch südländischen Häuser und die Zitronenplantagen waren nur ein Teil davon. Die Fülle am Bahnhof zeigte uns dann eine andere Seite der Stadt, ebenso wie der Müll in den Straßen.

Unsere Route, welche von einigen von uns geplant wurde, führte uns durch typisch italienische Straßen mit Wäscheleinen von Fenster zu Fenster und Motorrollern an jeder Ecke. Das Erreichen unserer ersten Station war für viele von uns vorausschaubar, da der Eingang zum Friedhof „Fontanelle“ direkt neben einer auffällig bunt bemalten Kirche war und uns somit den Ort signalisierte.

Beim Betreten des außergewöhnlichen Friedhofes wurden wir von einem dort arbeitenden Mann begleitet, der uns einige Informationen dazu geben konnte. Danach durften wir auf eigene Faust die Höhle erkunden, in der sich Knochen von tausenden Opfern der Pest befanden. Das Gefühl dabei war sowohl bedrückend als auch unverkennbar, denn die Anzahl der aufgestapelten Schädel und Knochen zeigte uns welches Ausmaß die Krankheit im 16. Jahrhundert hatte und wie viele Leute nur aus dieser Stadt daran ihr Leben verloren.

Der zweite Ort, den wir in diesem Teil von Neapel besuchten lag einige Straßen weiter und war eine ebenso bekannte Kirche, welche wir selbstständig betreten konnten und uns viele Details des aufwendig erbauten Gebäudes anschauen konnten.

Anschließend fuhren wir in die Innenstadt und bekamen dort schnell auch noch andere Gesichter der Stadt zu sehen. Eine Straße direkt neben einem großen Platz mit überfüllt mit Ständen und vielen Händlern, erschien uns etwas kurios, sodass wir uns schnell wie in einem uns unbekannten Land fühlten, welches uns zwar nicht überraschte, aber doch einen eigenartigen Charakter dieser Stadt übermittelte.

Zudem war die spätere freie Zeit in der Stadt für uns eine gute Möglickeit noch andere Facetten kennenzulernen und uns ein eigenes Bild zu machen. Einige von uns besuchten typisch italienische Restaurants, während andere Geschenke für ihre Familie und Freunde kauften und wieder andere sich mit den weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt vertraut machten, wozu wir unter anderem auch den Dom besuchten. Am Ende der Erkundungstour trafen wir uns alle auf einem großen Platz wieder und fuhren gemeinsam zurück zu unserer Unterkunft, wo wir zusammen zu Abend aßen.

Am Dienstag besuchten wir die historische Stadt Pompeji, welche durch den Ausbruch des Vesuvs 79 n.Chr. vollständig unterging. Die damalige Überraschung, die der Ausbruch des Vulkans mit sich brachte, wurde besonders durch die mit Gips ausgegossenen Hohlräume deutlich, in denen sich die Überreste der Menschen befanden. Personen, die gerade rannten, am Boden saßen und weinten oder gerade anderen Tätigkeiten nachgingen wurden gänzlich überrascht, obwohl man den Ausbruch bereits Tage zuvor vorhersehen konnte. Von der Stadt selbst waren hauptsächlich Ruinen geblieben, welche im 19. Jahrhundert durch Ausgrabungen vom Bimsstein und der Asche des Ausbruchs befreit wurden. Neben dem Amphitheater und einigen Tempeln durchquerten wir die Straßen und besuchten die Basilika und eine Therme.

Auf seiner Suche nach einer Auszeit wollte Goethe das klassische Italien kennenlernen, welches von griechisch-römischer Kultur geprägt wurde. Dies konnten auch wir in der Stadt Pompeji sehen, welche uns einen Einblick die Geschichte ehemaliger Bürger und dem Leben vor hunderten von Jahren gab.

Unser dritter Tag führte uns in die, etwa eine Stunde zu Fuß entfernte, Stadt Sorrent. Nach dem Fußmarsch begann unsere Erkundung der Stadt am Piazza Tasso, welcher nach einem berühmten italienischen Dichter benannt wurde. Anschließend besuchten wir ein Kloster, welches aufgrund seiner Lage hinter anderen Häusern zwar zuerst unscheinbar erschien, von innen aber ebenso einzigartig war, wie die Stadt selbst.

Daraufhin bekamen wir einige Zeit zur freien Verfügung und konnten so Sorrent ganz individuell erkunden. Zuvor wurde uns bereits bewusst, dass sich hier alles um Citrusfrüchte drehte und jeder zweite Laden in den recht engen Gassen der Innenstadt, Seife, Duftkerzen und andere Souvenirs rund um die Früchte verkaufte. Etwas außerhalb der Verkaufsstraße lernten wir auch den anderen Teil von Sorrent kennen, in dem sich die Menschenmassen nicht so deutlich tummelten und in dem wir eine typisch italienische Bäckerei fanden, in der es die „pizzetta fritta“, die fritierte Pizza, zu kaufen gab, welche besonders bei den ärmeren Einwohnern der Stadt Neapel früher sehr beliebt war.

Den Abschluss der Stadtbesichtigung machte ein Aussichtspunkt, von welchem wir erneut das Meer den Himmel treffen sehen konnten und der uns nicht nur durch seine Aussicht viel Freude gebracht hatte.

Goethe beschrieb seine Zeit in Italien als eine Zeit in der er „das erste Mal unbedingt glücklich war“. Wir konnten dies bei diesem Ausblick unübertroffen nachvollziehen.

Am letzten Tag unserer Fahrt fuhren wir erneut mit dem Zug nach Pompeji und fuhren von dort mit dem Bus zum Vesuv. Der schmale Weg am Rande des Vulkans nach oben, war für uns alle ein echtes Abenteuer, denn der Ausblick auf die Stadt Neapel war von dort aus einmalig, auch wenn uns ab einer gewissen Höhe die Wolken die Sicht versperrten. Jedoch war es ein unbeschreibliches Gefühl durch eine Wolke zu laufen und sich so zu fühlen, als könnte man den Himmel berühren. Das letzte Stück bis zum Krater mussten wir selbst zurücklegen. Die Steigung und der steinige Untergrund machten den Aufstieg nicht gerade leicht, doch das Erreichen des Ziels war für uns alle ein Glücksgefühl und obwohl einige von uns sich den Krater, der rund 300m tief ist und einen Durchmesser von 500m hat, etwas anders vorgestellt hatten,  war es trotzdem einen Ausflug wert.

Somit endete unsere Kursfahrt am darauffolgenden Morgen mit dem letzten gemeinsamen Frühstück und dem Flug zurück nach Hause.

Dass Goethe in Italien neue Kraft geschöpft hat und es ihm eine einmalige Auszeit beschert hat, können wir nach unserem Besuch alle nachvollziehen, denn die malerische Aussicht und die historisch schönen Orte vermittelten wohl nicht nur uns ein positiv ansteckendes Gefühl. Auch wenn das Essen zeitweise etwas abenteuerlich gewesen ist, hat der Pizzaabend dies wohl wieder gut gemacht.

Letztendlich hat wohl nicht nur Italien, sondern auch wir selbst dafür gesorgt, dass unsere letzte Kursfahrt, die wir haben werden, für uns alle einmalig war und wir Italien, unsere Lehrer und auch uns untereinander für lange Zeit in positive Erinnerung behalten werden.

 

Kim K., Q2

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