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„SOUNDTRACK MEINES LEBENS“ – ein Projekt des Literaturkurses Q1

19 Mai 2017
 Mai 19, 2017
Soundtrack_meines_Lebens_014

Jeder von uns hört Musik. Jeder von uns hat gelebt, erlebt, gefühlt. Einzelne Lieder können dabei Gefühle und Erinnerungen an Begegnungen, Personen und autobiografische Geschichten wachrufen. Den Versuch autobiografischen Erzählens in Form des Spiels „Soundtrack meines Lebens“ kennen viele. Einige haben vielleicht schon einmal selbst darüber nachgedacht, wie sich ihr Lebenslauf als „Soundtrack“ anhören und darstellen könnte.

Im Literaturkurs in der Q1 haben wir genau das gemacht. Das Halbjahresprojekt „Angst-vor-dem-Vergessen-werden“ gab uns den Anlass dazu. Im Vorfeld haben wir uns bereits mit verschiedenen Möglichkeiten des „erzählten Lebens“ beschäftigt. Welche literarischen Formen können „Leben“ überhaupt abbilden? Was unterscheidet eine Biografie von einer Autobiografie? Welche Medien und Strategien werden eingesetzt, um ein biografisches Bild zu skizzieren? Da sich „Leben“ nicht von selbst abdrückt, suchen wir Spuren, die uns davon erzählen. Anfangs fotografierten wir Gegenstände, die uns Hinweise auf Biografien gaben. Wir analysierten Grabsteine, Denkmäler und unterschiedlichste Dokumente und Texte, die faktische Beweise dafür darstellen, dass jemand gelebt und existiert hat. Wir schrieben Geschichten dazu.

Gegen die „Angst-vor-dem-Vergessen-werden“ wollten wir unser Leben selbst literarisch-ästhetisch darstellen und Formen finden von unseren Lebensstationen, welche schon zurückliegen, gerade passieren oder uns noch bevorstehen. Vor diesem Hintergrund entstand das mehrwöchige Projekt „Soundtrack meines Lebens“.

Wir wollten unser privates Leben öffentlich machen und ausstellen. Wir bekamen große Bilderrahmen zur Verfügung gestellt, in denen wir formal und inhaltlich unser Leben zum Ausdruck bringen konnten. Der Archetyp der Musikdatenspeicherung, eine Schallplatte, sollte ein entscheidender Teil davon sein, ebenso ein eigener Plattentitel, ein gestaltetes Cover, eine ausgewählte Playlist sowie dies begleitende Texte. Wir wählten zehn Songs aus, die jeweils eine entscheidende reale und/oder fiktive Station in unserem Leben repräsentieren sollten. Jeder von uns musste sich mit Fragen auseinandersetzen, wie: Warum ist dieser Song so entscheidend für mein Leben? Welche Station meines Lebens spiegelt er wieder? Wie stelle ich mir mein Leben nach dem „bisher Gewesenen“ vor? Welche Geschichte lassen sich überhaupt erzählen?

Wie diese Geschichten erzählt werden konnten, war uns völlig frei gestellt. Jeder von uns wählte verschiedene Stationen und Songs und setze formal und inhaltlich unterschiedliche Schwerpunkte. Dabei spielte die konzeptuelle Gestaltung des Rahmens eine wichtige Rolle. Neben der Darstellung der persönlichen Geschichten zu den ausgewählten Liedern wurde es insbesondere bei der Repräsentation unseres „Selbst“ auf dem Cover interessant. Jeder von uns wählte völlig unterschiedliche Möglichkeiten sich selbst direkt, zum Beispiel in Form eines Fotos, oder indirekt, zum Beispiel in Form einer Collage oder einer Stellvertreterfigur, darzustellen.

Am Ende der Reihe wurde der „Soundtrack meines Lebens“ von dem Literaturkurs präsentiert und ausgestellt. Somit kann sich nun jeder eine Form unseres „erzählten Lebens“ im Rahmen der literarisch-ästhetischen Gestaltungen anschauen und sich eventuell eigene Gedanken über sich selbst und sein eigenes Leben machen.

Für mich persönlich war dieses Projekt sehr interessant, da man sich mit sich selbst und den Lebenssituationen, die hinter einem liegen, oder einem noch bevor stehen, auseinandersetzen konnte. Wir konnten unser ganz persönliches „Leben“ in einer Form gestalten, die einen Bezug nicht nur zu sich selbst hat, sondern auch zur Realität, da die Songs von Menschen stamm(t)en, die ebenfalls leb(t)en und somit auch ein Nachweis dafür sind, dass diese existier(t)en. Die „Angst-vor-dem-Vergessen-werden“ wurde uns vor allem dadurch bewusst, dass wir uns intensiv damit beschäftigt haben. Wir haben mit unseren Gestaltungen gezeigt, dass unser Leben auch noch in sehr vielen Jahren nach uns in irgendeiner Form nachweisbar sein wird.

Text: Kim K., Q1

Fotos: Burcu B., Q1

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