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Sigmar Gabriel diskutiert mit CHG-Schülern bei „Humann im Dialog"

5 Februar 2019
 Februar 5, 2019

Politiker treten mit Schülern in den Diskurs und machen Politik somit für sie erfahrbar: Das ist die Idee von „Humann im Dialog“, ein Format, das es bereits seit 2010 am Carl-Humann-Gymnasium gibt. So fanden sich u.a. Wolfgang Clement, Norbert Lammert, Sylvia Löhrmann, Hannelore Kraft, Christian Lindner, Peer Steinbrück, Christian Wulff, Armin Laschet und Friedrich Merz in den vergangenen neun Jahren in der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung in Essen-Steele ein, um den Humann-Schülern Rede und Antwort zu stehen. Mit Sigmar Gabriel, ehemaligem Bundeswirtschafts- und Außenminister sowie Vizekanzler, konnte das CHG am Montag, 04. Februar 2019, einen weiteren politischen Hochkaräter willkommen heißen.

„Politik bedeutet immer auch dorthin zu gehen, wo es weh tut.“ Dies war einer der zentralen Sätze aus der Begrüßung, die der kommissarische Schulleiter Thomas Reuter dem Auftritt Gabriels voranschickte. Er bezog sich damit nicht nur auf die Tatsache, dass das Carl-Humann-Gymnasium für größere Veranstaltungen grundsätzlich in den Saal der Stiftung ausweichen muss, weil die Schule als einziges Essener Gymnasium keine Aula besitzt, sondern auch auf die generell schlechte und antiquierte Ausstattung vieler Schulen. Dass diese in Deutschland Orte sind, an denen dringender Handlungsbedarf besteht und deren Zustand oft tatsächlich „weh tut“, spielte auch später in der Diskussion zwischen Gabriel und den Schülern eine wichtige Rolle.

Lutz Friedrich, ehemaliger Humann-Schülersprecher, Abiturient 2011 und Initiator der Reihe zur Begegnung mit Politik, richtete ebenfalls einige Worte an die Anwesenden und bezog sich u.a. auf die politischen Entwicklungen der letzten neun Jahre. Dabei ging er sowohl auf die problematische Erweiterung des politischen Spektrums durch rechtspopulistische Parteien als auch auf die erfreuliche Bereitschaft junger Menschen ein, sich für ihre Überzeugungen zu engagieren, etwa in der Fridays for future– Bewegung, initiiert durch eine schwedische Schülerin.

Sigmar Gabriel selbst nahm den Titel der Veranstaltung ernst und verzichtete im Gegensatz zu vielen früheren Gästen auf eine lange Vorstellung seiner Person. Stattdessen schickte er dem Dialog mit den Schülern nur zwei Bemerkungen zur Politik im Allgemeinen und zu Politikern im Besonderen voran. Zum einen stellte er fest, dass man in der Politik vor allem Neugier auf das Leben anderer brauche und Menschen mögen müsse. Zum anderen warnte er die versammelten Schüler davor, Politikern, die eine Antwort auf alles hätten, Glauben zu schenken: „Nur die, die mit Ihnen streiten, nehmen Sie auch ernst.“

Dass Gabriel die konstruktive Auseinandersetzung nicht scheut, war dann auch der Eindruck, den die folgende gute Stunde des politischen Diskurses hinterließ. Die Themenvielfalt dabei war groß: Von der Fünf-Prozent-Hürde im Europaparlament über Elektroautos bis zu Kindersoldaten wurde alles diskutiert.

Gabriel machte dabei deutlich, dass ihm „die politische Arbeit im Großen und im Kleinen“ am Herzen liegt. Auf der einen Seite sei es wichtig zu überlegen, wie man enttäuschte Wähler zurückgewinnen könne, die z.B. aufgrund ihrer schlechten Lebensumstände den etablierten Parteien in Deutschland den Rücken gekehrt und sich der AfD zugewandt hätten. Auf der anderen Seite müsse man auch Deutschlands Rolle auf der Weltbühne im Blick behalten. In diesem Zusammenhang plädierte Gabriel für eine enge Kooperation innerhalb Europas: „Deutschland muss sich anstrengen, auch weil die Amerikaner nicht mehr die Drecksarbeit für uns machen.“ So sieht er auch die größte Gefahr des Brexits nicht im Bereich der Wirtschaft, sondern in einem möglichen Verlust an Ansehen der Europäer in der Welt: „Die Europäer können nicht mal ihren eigenen Laden zusammenhalten. Das wird das internationale Bild sein, wenn Großbritannien die EU verlässt.“

In Bezug auf das Thema Bildung zeigte sich Gabriel, der selbst nach einer Empfehlung für die Sonderschule eine Realschule besucht und anschließend auf ein Gymnasium gewechselt hatte, als Verfechter eines durchlässigen Schulsystems. Wichtig sei es auch, Lehrer besser zu bezahlen und die KITA als pädagogische Einrichtung anzuerkennen, indem man die Gebühren generell abschaffe.

„Herr Gabriel, Gerhard Schröder hat in einem Interview gefordert, dass Sie wieder eine zentrale Rolle in der Bundespolitik spielen sollten. Hätten Sie daran Interesse?“, wollte Moderator Lutz Friedrich zum Abschluss der Diskussionsrunde wissen. Seine Frau sei nicht mehr damit einverstanden, dass er so viel Zeit in Berlin verbringe, lächelte Gabriel. „Und im Zweifel habe ich lieber Ärger mit Gerhard Schröder und der SPD als mit meiner Frau.“

Text: Nina Schloemer
Fotos: Stefan Uhlmann / Kai Pisano

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