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6 März 2016
 März 6, 2016
HiD16 (38)

 

Essens neuer OB diskutiert mit CHG-Schülern über ihre Heimatstadt, die Region Ruhr und die Flüchtlingskrise

Bei der 10. Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Humann im Dialog“ am vergangenen Freitag, 04. März 2016, schloss sich ein Kreis: Erster Gast der Diskussionsrunde, deren Ziel es ist, Politik hautnah erfahrbar zu machen und es Schülern zu ermöglichen, mit den Politikern in einen direkten Austausch zu treten, war 2010 Reinhard Paß, damals gerade erst zum Oberbürgermeister der Stadt Essen gewählt. Schülersprecher Lutz Friedrich hatte ihn eingeladen und damit eine Tradition ins Leben gerufen, die neben dem Carl-Humann-Gymnasium keine andere Essener Schule zu bieten hat. Auch nach seinem Abitur im Jahre 2011 gelang es Friedrich, der mittlerweile kurz vor dem ersten Staatsexamen der Rechtswissenschaften steht, ausgesprochen hochkarätige Gäste an sein altes Gymnasium zu holen: Wolfgang Clement, Norbert Lammert, Sylvia Löhrmann, Hannelore Kraft, Christian Lindner, Peer Steinbrück und zuletzt der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff folgten gerne seiner Einladung und standen den jungen Erwachsenen der Jahrgangsstufen 11 und 12 Rede und Antwort.

Nachdem Thomas Kufen als OB Einzug ins Essener Rathaus gehalten hatte, war es somit nur folgerichtig, dass auch er gebeten wurde, einen Beitrag dazu zu leisten, dass Politik für Jugendliche greifbar wird. Dass die Veranstaltung für ihn „einen Haken“ haben würde, wie er augenzwinkernd bemerkte, wurde direkt bei seiner Begrüßung durch Schulleiter Stefan Uhlmann in der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung in Essen-Steele deutlich. „Sie haben mich gefragt, warum wir Sie nicht zu uns in die Schule einladen, Herr Kufen“, bezog sich Uhlmann auf ein Vorgespräch mit dem OB. „Nun, die Antwort ist einfach: Wir haben keine Aula und all unsere Bemühungen darum wurden bisher durch die Politik ignoriert.“ Die anschließende Einladung Uhlmanns zu einer Begehung des Schulgebäudes nahm Kufen später an.

Lutz Friedrich, der wie immer die Veranstaltung moderierte, sagte ebenfalls einige einführende Worte und leitete dabei zu einem Thema über, das momentan in aller Munde ist: Die Flüchtlingskrise und die damit verbundenen Probleme, die Essen als Kommune mit finanziellen Sorgen besonders hart treffen. Thomas Kufen nahm diesen Ball direkt auf und verdeutlichte, dass unsere demokratischen Grundwerte sowie die Sicherheit und Freiheit, die wir als Deutsche genießen, keinesfalls selbstverständlich sind. „Deutschland ist ein Sehnsuchtsort für viele derjenigen, die zu uns kommen“, betonte er. Somit komme uns eine große Verantwortung den Flüchtlingen gegenüber zu, die jedoch auch mit vielen Herausforderungen verbunden sei. „Wir als Region sind es gewohnt, mit Zuwanderung umzugehen. Dennoch gibt es viele Menschen, die Veränderung grundsätzlich als negativ wahrnehmen. Dem müssen wir entgegenwirken“, so Kufen, „und dafür brauche ich euch.“

Neben finanziellen Problemen Essens, die im Augenblick durch die Aufnahme großer Mengen an Flüchtlingen natürlich verschärft würden, habe Essen auch viel Positives zu bieten. So bezog sich Kufen etwa auf das Kulturhauptstadtjahr 2010 und das Jahr 2017, in dem Essen grüne Hauptstadt Europas sein wird. Laut Kufen „müssen wir uns zwei Fragen stellen: Wie wollen wir zusammen leben und wovon wollen wir in Zukunft leben? Jeder, der mit anpacken will, um Essen und die Region voranzubringen, ist im Ruhrgebiet willkommen.“

Auch in der anschließenden Diskussionsrunde bezogen sich viele Schülerfragen auf die Flüchtlingskrise. So ging es z.B. um Thomas Kufens Position zu Obergrenzen („Das ist nur eine unfaire Umverteilung. Wir brauchen eine gerechte Verteilung innerhalb Europas.“) oder konkrete Ideen für Integrationsmaßnahmen. Aber auch Mängel an Essens Infrastruktur bewegten viele Jugendliche: „Wann wird der Bahnhof in Kupferdreh endlich fertiggestellt?“, wollte ein Schüler wissen. „Wo ist das Geld geblieben, das im Haushalt 2015 für den Ausbau von Radwegen veranschlagt war?“, fragte ein anderer. Nicht auf jede Frage hatte der neue Oberbürgermeister eine zufriedenstellende Antwort, was er zum Teil auch unumwunden zugab.

Viel Beifall von der Schülerschaft erntete er hingegen für seinen offensiven Umgang mit seiner persönlichen Situation. Auf die Frage: „Wie ist Ihre Position zur Homoehe?“, hielt der OB seine Hand mit dem Ehering in die Höhe und sagte: „Ich bin sogar mit meinem Partner verheiratet, also ist das ja klar. Allerdings mag ich den Begriff „Homoehe“ nicht besonders.“

Nach „zwei Stunden Luxus“, als die Kufen die Gesprächsrunde mit den CHG-Schülern bezeichnete („Im Moment beschäftige ich mich ungefähr die Hälfte meiner Arbeitszeit mit Flüchtlingsangelegenheiten.“), verabschiedete er sich von den Jugendlichen im Saal – allerdings nicht, ohne auf sein zu Beginn gemachtes Versprechen zurückzukommen: „Runde zwei findet beim Rundgang in Ihrer Schule statt“, sagte er an Schulleiter Stefan Uhlmann gewandt. Ob das Carl-Humann-Gymnasium durch diesen Besuch der ersehnten Aula einen Schritt näher kommen wird, bleibt abzuwarten.

Nina Schloemer

 

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