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Aspekte des Religionsunterrichts

Aspekte des Religionsunterrichts

Religion spielt am Carl-Humann-Gymnasium eine große Rolle. Dies lässt sich an verschiedenen Dingen ablesen:

Als eines der wenigen staatlichen Essener Gymnasien bieten wir jeden Monat einen Schulgottesdienst an – zu besonderen Anlässen mit der ganzen Schulgemeinde in ökumenischer Ausrichtung, ansonsten konfessionell getrennt.

Außerdem gibt es bei uns mit Herrn Dahlhoff noch einen Schulpfarrer, der sich um seelsorgerische Belange kümmert, der den Bereich „Soziales Lernen“ koordiniert und der natürlich auch im Fach evangelische Religion sehr präsent ist. Er hält die evangelischen Gottesdienste in der Friedenskirche.

Von der katholischen Seite unterstützt uns Herr Dr. Geschwinder, der sich zwar (leider) nicht mehr im Schuldienst befindet, der aber unserer Schulgemeinde nach wie vor sehr verbunden ist, die katholischen Gottesdienste in St. Laurnetius hält und vor allem unser Bindeglied zur Gemeinde St. Laurentius ist.

Natürlich gibt es für beide Konfessionen auch ein „normales“ Fachkollegium, das den Fachunterricht erteilt.

katholische Religionslehre
 

Der Religionsunterricht im Fächerkanon des schulischen Unterrichts

  Religionslehre am Beginn der Zeugnisse: erscheint das nicht übertrieben, ist das nicht eine Anmaßung? Wären hier nicht besser Fächer wie Mathematik oder Englisch gefordert? Merkwürdigerweise ist auch an den Universitäten die erste Fakultät (Abteilung) die theologische Fakultät.   Schon in vorchristlicher Zeit verfügten die Priester an den heidnischen Tempeln nicht nur über theologisches Wissen, sondern auch über Kenntnisse in Astronomie, Medizin, Finanzwesen oder Geometrie. Der Tempel war das Zentrum nicht nur der Gottesverehrung, sondern auch der Wissenschaft.   Mit dem Vordringen in den griechischen Kulturbereich umschrieb die christliche Kirche mit der Begrifflichkeit der griechischen Philosophie ihre Glaubenslehre im Großen Glaubensbekenntnis, das bis heute allen christlichen Kirchen gemeinsam ist, also von großer ökumenischer Bedeutung ist.   Nach dem kulturellen Niedergang in der Völkerwanderung, in der die Klöster mit ihren Bibliotheken zu Zentren der Wissenschaften wurden, kam es auf kirchliche Initiative im Hochmittelalter zur Gründung von Universitäten, die die Kenntnisse der griechisch-römischen Antike in die mittelalterliche Welt übertrugen und weiterentwickelten. Die christliche Kirche wurde zur Trägerin und Förderin von Kultur und Wissenschaft.   Die neuzeitliche Aufklärung  führte dann zu einer Verselbständigung und Spezialisierung im Bereich der Wissenschaften, ohne dass die Nabelschnur zu den Ursprüngen durchtrennt wurde. Manchmal waren es Theologen, die am Beginn anderer Wissenschaften tätig waren: am Beginn der Vererbungslehre der Augustinermönch Johann Gregor Mendel, am Beginn der Abstammungslehre der evangelische Pfarrer Charles Darwin.   Der noch heute gültige gregorianische Kalender geht auf eine Reform durch die Jesuiten im 16. Jahrhundert zurück. Die Kalenderreform setzt bereits das sonnenbezogene Weltbild des Kanonikers Nikolaus Kopernikus voraus. Die Reform wurde von Papst Gregor XIII. übernational in Kraft gesetzt. Zu dieser Zeit nahm die Kirche eine Stellung ein wie heute die Vereinten Nationen. Dies geschah schon vor der Auseinandersetzung mit Galileo Galilei, die unseren Zeitgenossen bekannter ist als das christliche Glaubensbekenntnis.   Es klingt wie eine Provokation:  

A u f k l ä r u n g   d u r c h   d e n   c h r i s t l i c h e n   G l a u b e n

  Dieser Aussage ist der schulische Religionsunterricht verpflichtet. Manchmal muss sich das Evangelium auch gegen kirchliche, staatliche oder gesellschaftliche Führungskräfte durchsetzen. „Anfang der Weisheit ist die Achtung Gottes.“ So steht es auf der Rückseite unserer Schulfahne: ein Zitat aus dem Psalm 111.   Darum feiert die Schulgemeinde Gott in den Schulgottesdiensten. Darum fahren die Religionskurse der Jahrgangsstufe 11 nach Münster und Gerleve: nach Münster, um durch den Besuch einer theologischen Vorlesung und die Besichtigung des Paulusdomes die wissenschaftliche und kulturelle Dimension des Glaubens kennenzulernen; nach Gerleve, um in der Begegnung mit den Mönchen einer Benediktinerabtei die geistliche Dimension des Glaubens kennenzulernen und davon für die persönliche Lebensgestaltung zu lernen.   Schon auf der ersten Seite der Bibel findet eine erste Aufklärung statt. Sonne, Mond und Sterne sind keine Götter mehr, sondern Schöpfungswerke Gottes. Christen wie auch Juden feiern die Freiheit: die einen im Paschafest mit der Erinnerung an die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten, die anderen im Osterfest mit dem Sieg über Tod und Selbstvergötterung (Sünde). Der Mensch ist Ebenbild Gottes, d. h.: er hat Anteil am Leben und der Würde Gottes.   Was bedeutet das für den schulischen Religionsunterricht?  

Der Religionsunterricht hat die Aufgabe

der gesellschaftskritischen und wissenschaftskritischen Begleitung.

  Das Grundgesetz mit den darin vorstaatlich verbürgten Grundrechten vertritt den Grundsatz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. (Art. 1 GG) Wo also die wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten oder die gesellschaftlich-staatliche Entwicklung  diesen Grundrechtsartikel in Gefahr bringen, ist Einmischung in die gesellschaftliche Diskussion erforderlich.   An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Wir gelangen wieder an den Anfang und Ursprung unserer Überlegungen. Gut, dass die Nabelschnur nicht durchtrennt wurde. Denn Wissenschaft und Technik sind nicht wertfrei. Es besteht Missbrauchsgefahr. Die Gesellschaft kann Fehlentwicklungen nehmen, wie im vergangenen Jahrhundert durch Nationalsozialismus und Kommunismus. Glaube und Kirche können weltfremd erstarren. So sind Glaube, Wissenschaft und Gesellschaft aufeinander angewiesen.   Wichtig ist uns das Lernen der Schülerinnen und Schüler und nicht das Lehren der Lehrerinnen und Lehrer. (siehe auch Selbstgesteuerte Lernprozesse und erweiterter Lernbegriff; Selbstorganisiertes Lernen; Lernaufgaben)
evangelische Religionslehre
Evangelischer Religionsunterricht am Carl-Humann Gymnasium – ein besonders „ordentliches“ Lehrfach „Evangelische Unterweisung“ – so hieß das neue Unterrichtskonzept für den evangelischen Religionsunterricht, das nach 1945 an öffentlichen Schulen eingeführt wurde. Der Name des neuen Unterrichtskonzeptes war Programm. Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur im Wort Gottes unterwiesen, sondern gleichzeitig auch ins christliche Gemeindeleben eingewiesen werden. Dabei hatte der Religionsunterricht deutlich missionarischen Charakter, der die Rolle des Religionslehrers neu definierte: Er hatte Prediger und Zeuge des Wortes Gottes zu sein. Zu diesem Dienst an den jungen Menschen wurde er durch die Kirche berufen und bevollmächtigt. Die kirchliche „Vocatio“ - Berufung ist bis heute Voraussetzung zur Erteilung des evangelischen Religionsunterrichtes. Nach dem Zusammenbruch der Naziherrschaft war mit dieser konzeptionellen Neuausrichtung des Religionsunterrichtes die Hoffnung verbunden, die Jugend religiös zu erziehen und ihr damit zugleich eine neue, christlich-demokratisch gesinnte Werteordnung zu vermitteln.

Heute versteht sich der Religionsunterricht als „Evangelische Religionslehre“. Im Rahmen des allgemeinen schulischen Bildungsauftrages hat der Religionsunterricht seinen missionarischen Grundcharakter verloren. Vielmehr achtet er die persönlichen Glaubensüberzeugungen der Schülerinnen und Schüler. Und doch will er – nach wie vor -, junge Menschen bekannt und vertraut machen mit der besonderen Bedeutung des christlichen Glaubens und kirchlichen Lebens für das eigene Leben, für unser gesellschaftspolitisches Miteinander in einer Gesellschaft, die geprägt ist durch kulturelle, religiöse und weltanschauliche Vielfalt wie für Wertediskussionen angesichts gegenwärtiger und zukünftiger Probleme in Wirtschaft und Forschung. Dabei entwickeln die Schülerinnen und Schüler im Unterricht in zunehmendem Maß Fähigkeiten, die es ihnen erlauben ihre Lebenswirklichkeit angemessen wahrzunehmen und zu deuten aber auch zu beurteilen und mit zu gestalten. Den unaufgebbaren Rahmen solch eines Unterrichtes bilden das neutestamentliche Zeugnis der bedingungslosen Gnade Gottes sowie die Hoffnung auf sein Reich, dessen Vollendung wir erwarten. Dieser Glaube befreit nicht nur von unmenschlichem Leistungsdruck, er befreit auch zu einem Leben in sozialer, mitmenschlicher und demokratischer Verantwortung. Dieser Glaube muss sich in seiner ganzen Kraft, Vielfalt und Lebendigkeit in Unterrichtsgestaltung, Konfliktlösung, Leistungsbeurteilung und Schulgottesdienst wieder finden lassen.
In diesem Sinne versuchen wir mit Herz, Mund und Händen „Reli-Macher“ zu sein.

Als Fachvertreter Joachim Dahlhoff, Pfarrer im Schuldienst
Petra Garnjost, OStR’
Dirk Tresbach, OStR

Hinweise zu folgenden Homepages
Evangelische Kirche in Essen
Diakoniewerk Essen
Evangelische Kirche im Rheinland
Evangelische Kirche in Deutschland
Gottesdiensttermine:

4. September 2013 Einschulungsgottesdiens der Sextaner in ökumenischer Gemeinschaft; St. Laurentius 10.00 Uhr

25. September 2013 8.00 Uhr

6. November 2013 8.00 Uhr ! Freitag !

20. Dezember 2013 Weihnachtsgottesdienst in ökumenischer Gemeinschaft in der Friedenskirche 8.00 Uhr (1. und 2. Stunde)

5. Februar 2014 8.00 Uhr

5. März 2014 Aschermittwoch 7.45 Uhr

2. April 2014 8.00 Uhr

28. Mai 2014 8.00 Uhr

18. Juni 2014 Abiturentlassgottesdienst in ökumenischer Gemeinschaft St. Laurentius 15.00 Uhr

4. Juli 2014 Schuljahresabschlussgottesdienst in ökumenischer Gemeinschaft in St. Laurentius 8.00 Uhr (1. und 2. Stunde)

Wissenswertes: Was deutsche Gesetze zum Thema Religion zu sagen haben       1. Aus dem Grundgesetz der BRD

 Artikel 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Artikel 7

(1) Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates. (2) Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen. (3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.

Artikel 140

Die Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes.

Artikel 136 (Weimarer Verfassung)

Die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten werden durch die Ausübung der Religionsfreiheit weder bedingt noch beschränkt. Der Genuss bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte sowie die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Überzeugung zu offenbaren. Die Behörden haben nur soweit das Recht, nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft zu fragen, als davon Rechte und Pflichten abhängen oder eine gesetzlich angeordnete statistische Erhebung dies erfordert. Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden.

Artikel 137 (Weimarer Verfassung)

Es besteht keine Staatskirche. Die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften wird gewährleistet. Der Zusammenschluss von Religionsgesellschaften innerhalb des Reichsgebiets unterliegt keinen Beschränkungen. Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie verleiht ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde. Religionsgesellschaften erwerben die Rechtsfähigkeit nach den allgemeinen Vorschriften des bürgerlichen Rechtes. Die Religionsgesellschaften bleiben Körperschaften des öffentlichen Rechtes, soweit sie solche bisher waren. Anderen Religionsgesellschaften sind auf ihren Antrag gleiche Rechte zu gewähren, wenn sie durch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die Gewähr der Dauer bieten. Schließen sich mehrere derartige öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften zu einem Verbande zusammen, so ist auch dieser Verband eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben. Den Religionsgesellschaften werden die Vereinigungen gleichgestellt, die sich die gemeinschaftliche Pflege einer Weltanschauung zur Aufgabe machen. Soweit die Durchführung dieser Bestimmungen eine weitere Regelung erfordert, liegt diese der Landesgesetzgebung ob.

Artikel 138 (Weimarer Verfassung)

Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst. Die Grundsätze hierfür stellt das Reich auf. Das Eigentum und andere Rechte der Religionsgesellschaften und religiösen Vereine an ihren für Kultus-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke bestimmten Anstalten, Stiftungen und sonstigen Vermögen werden gewährleistet.

Artikel 139 (Weimarer Verfassung)

Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.

Artikel 141 (Weimarer Verfassung)

Soweit das Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge im Heer, in Krankenhäusern, Strafanstalten oder sonstigen öffentlichen Anstalten besteht, sind die Religionsgesellschaften zur Vornahme religiöser Handlungen zuzulassen, wobei jeder Zwang fernzuhalten ist. Aus der Verfassung des Landes NRW Dritter Abschnitt - Schule, Kunst und Wissenschaft, Sport, Religion und Religionsgemeinschaften Artikel 7 (1) Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung. (2) Die Jugend soll erzogen werden im Geiste der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und Friedensgesinnung. Artikel 13 Wegen des religiösen Bekenntnisses darf im Einzelfalle keinem Kinde die Aufnahme in eine öffentliche Schule verweigert werden, falls keine entsprechende Schule vorhanden ist. Artikel 14 (1) Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach an allen Schulen, mit Ausnahme der Weltanschauungsschulen (bekenntnisfreien Schulen). Für die religiöse Unterweisung bedarf der Lehrer der Bevollmächtigung durch die Kirche oder durch die Religionsgemeinschaft. Kein Lehrer darf gezwungen werden, Religionsunterricht zu erteilen. (2) Lehrpläne und Lehrbücher für den Religionsunterricht sind im Einvernehmen mit der Kirche oder Religionsgemeinschaft zu bestimmen. (3) Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes haben die Kirchen oder die Religionsgemeinschaften das Recht, nach einem mit der Unterrichtsverwaltung vereinbarten Verfahren sich durch Einsichtnahme zu vergewissern, dass der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit ihren Lehren und Anforderungen erteilt wird. (4) Die Befreiung vom Religionsunterricht ist abhängig von einer schriftlichen Willenserklärung der Erziehungsberechtigten oder des religionsmündigen Schülers. Artikel 15 Die Ausbildung der Lehrer erfolgt in der Regel an wissenschaftlichen Hochschulen. Sie berücksichtigt die Bedürfnisse der Schulen; es ist ein Lehrangebot zu gewährleisten, das diesem Erfordernis gerecht wird. Es ist sicherzustellen, dass die Befähigung zur Erteilung des Religionsunterrichts erworben werden kann. Artikel 16 (1) Die Universitäten und diejenigen Hochschulen, die ihnen als Stätten der Forschung und der Lehre gleichstehen, haben, unbeschadet der staatlichen Aufsicht, das Recht auf eine ihrem besonderen Charakter entsprechende Selbstverwaltung im Rahmen der Gesetze und ihrer staatlich anerkannten Satzungen. (2) Zur Ausbildung ihrer Geistlichen haben die Kirchen und zur Ausbildung ihrer Religionsdiener die Religionsgemeinschaften das Recht, eigene Anstalten mit Hochschulcharakter zu errichten und zu unterhalten. Artikel 17 Die Erwachsenenbildung ist zu fördern. Als Träger von Einrichtungen der Erwachsenenbildung werden neben Staat, Gemeinden und Gemeindeverbänden auch andere Träger, wie die Kirchen und freien Vereinigungen, anerkannt. Artikel 18 (1) Kultur, Kunst und Wissenschaft sind durch Land und Gemeinden zu pflegen und zu fördern. (2) Die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Kultur, die Landschaft und Naturdenkmale stehen unter dem Schutz des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände. (3) Sport ist durch Land und Gemeinden zu pflegen und zu fördern. Artikel 19 (1) Die Freiheit der Vereinigung zu Kirchen oder Religionsgemeinschaften wird gewährleistet. Der Zusammenschluss von Kirchen oder Religionsgemeinschaften innerhalb des Landes unterliegt keinen Beschränkungen. (2) Die Kirchen und die Religionsgemeinschaften ordnen und verwalten ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie haben das Recht, ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates und der politischen Gemeinden zu verleihen oder zu entziehen. Artikel 20 Die Kirchen und die Religionsgemeinschaften haben das Recht, in Erziehungs-, Kranken-, Straf- und ähnlichen öffentlichen Anstalten gottesdienstliche Handlungen vorzunehmen und eine geordnete Seelsorge auszuüben, wobei jeder Zwang fernzuhalten ist. Artikel 21 Die den Kirchen oder den Religionsgemeinschaften gemäß Gesetz, Vertrag oder anderen Rechtstiteln zustehenden Leistungen des Staates, der politischen Gemeinden oder Gemeindeverbände können nur durch Vereinbarungen abgelöst werden; soweit solche Vereinbarungen das Land betreffen, bedürfen sie der Bestätigung durch Landesgesetz. Artikel 22 Im übrigen gilt für die Ordnung zwischen Land und Kirchen oder Religionsgemeinschaften Artikel 140 des Bonner Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 als Bestandteil dieser Verfassung und unmittelbar geltendes Landesrecht. Artikel 23 (1) Die Bestimmungen der Verträge mit der Katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union, die im früheren Freistaat Preußen Geltung hatten, werden für die Gebiete des Landes Nordrhein-Westfalen, die zum ehemaligen Preußen gehörten, als geltendes Recht anerkannt. (2) Zur Änderung dieser Kirchenverträge und zum Abschluß neuer Verträge ist außer der Zustimmung der Vertragspartner ein Landesgesetz erforderlich. Vierter Abschnitt - Arbeit, Wirtschaft und Umwelt Artikel 24 (1) Im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens steht das Wohl des Menschen. Der Schutz seiner Arbeitskraft hat den Vorrang vor dem Schutz materiellen Besitzes Jedermann hat ein Recht auf Arbeit. (2) Der Lohn muss der Leistung entsprechen und den angemessenen Lebensbedarf des Arbeitenden und seiner Familie decken. Für gleiche Tätigkeit und gleiche Leistung besteht Anspruch auf gleichen Lohn. Das gilt auch für Frauen und Jugendliche. (3) Das Recht auf einen ausreichenden, bezahlten Urlaub ist gesetzlich festzulegen. Artikel 25 (1) Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage werden als Tage der Gottesverehrung, der seelischen Erhebung, der körperlichen Erholung und der Arbeitsruhe anerkannt und gesetzlich geschützt. (2) Der 1. Mai als Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde ist gesetzlicher Feiertag.      

Schulgesetz

für das Land Nordrhein-Westfalen

(Schulgesetz NRW – SchulG)

Vom 15. Februar 2005

(GV. NRW. S. 102)

zuletzt geändert durch Gesetz vom 13. November 2012

(GV. NRW. S. 514)

  §31 Religionsunterricht (1) Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach an allen Schulen mit Ausnahme der Weltanschauungsschulen (bekenntnisfreien Schulen). Er wird nach Bekenntnissen getrennt in Übereinstimmung mit den Lehren und Grundsätzen der betreffenden Kirche oder Religionsgemeinschaft erteilt. Religionsunterricht wird erteilt, wenn er allgemein eingeführt ist und an der einzelnen Schule mindestens zwölf Schülerinnen und Schüler dem entsprechenden Bekenntnis angehören. (2) Das Ministerium erlässt die Unterrichtsvorgaben für den Religionsunterricht im Einvernehmen mit der Kirche oder der Religionsgemeinschaft. Die Zahl der Unterrichtsstunden setzt das Ministerium im Benehmen mit der Kirche oder der Religionsgemeinschaft fest. (3) Lehrerinnen und Lehrer bedürfen für die Erteilung des Religionsunterrichts des staatlichen Unterrichtsauftrags und einer Bevollmächtigung durch die Kirche oder die Religionsgemeinschaft. Religionsunterricht kann, soweit keine staatlich ausgebildeten Lehrkräfte zur Verfügung stehen, durch Geistliche, kirchliche Lehrkräfte, von der Religionsgemeinschaft beauftragte Lehrkräfte oder von ausgebildeten Katechetinnen und Katecheten erteilt werden. Sie bedürfen dazu des staatlichen Unterrichtsauftrags und einer Bevollmächtigung durch die Kirche oder Religionsgemeinschaft. (4) Niemand darf gezwungen werden, Religionsunterricht zu erteilen. Lehrerinnen und Lehrern, die die Erteilung des Religionsunterrichts ablehnen, dürfen hieraus keine dienstrechtlichen Nachteile erwachsen. (5) Der Religionsunterricht unterliegt der staatlichen Schulaufsicht, die sich insbesondere auf die Ordnung und Durchführung des Unterrichts erstreckt. Die Kirche oder die Religionsgemeinschaft hat ein Recht auf Einsichtnahme in den Religionsunterricht; das Recht der obersten Kirchenleitung, den Religionsunterricht zu besuchen, bleibt unberührt. Das Verfahren der Einsichtnahme wird durch Vereinbarung des Ministeriums mit der Kirche oder der Religionsgemeinschaft geregelt. (6) Eine Schülerin oder ein Schüler ist von der Teilnahme am Religionsunterricht auf Grund der Erklärung der Eltern oder – bei Religionsmündigkeit der Schülerin oder des Schülers – auf Grund eigener Erklärung befreit. Die Erklärung ist der Schulleiterin oder dem Schulleiter schriftlich zu übermitteln. Die Eltern sind über die Befreiung zu informieren.