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31 März 2017
 März 31, 2017
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Die Wahlen zu den Projekttagen 2016 des Carl-Humann-Gymnasiums in Essen haben einmal mehr gezeigt, dass das Thema Selbstverteidigung an Bedeutung gewinnt, gleichgewichtig bei Jungen und Mädchen : 13 Jungen und 11 Mädchen, Jahrgangsstufe 6, hatten den SV-Kurs gewählt.

Die Projekt-Übungen konnten in der Turnhalle des CHG an drei Tagen, jeweils morgens von 9 bis 12 Uhr durchgeführt werden; danach folgten Ballspiele.

Im Klassenraum erfolgten in der Mitte des Zeitplanes jeweils eine Schulstunde praktische Übungen im Schreiben sino-japanischer Kanji-Schriftzeichen, z.B. die Kanjis für: Schule, lernen, Geduld ; Karate( leer, Hand, Weg); China, Japan, Deutschland ; Mensch, Mann, Frau, Kind; Berg (san und yama), Baum,Wasser,etc.

Wie in jedem guten Unterricht ging es darum, Kenntnisse und Fertigkeiten in der Selbstverteidigung mit Sachverstand, Konzentration und freundlicher Zuwendung zu vermitteln.

Bezugspunkt für die SV-Übungen ist die Realität der Schülerinnen und Schüler: Schulwege, das Verhalten untereinander, Freizeitaktivitäten, etc.

Beispiel: Schulweg

viele Schüler laufen im Handy/I-Phone Modus nach Hause; sie bekommen nicht mit, was um sie herum vor sich geht; sie machen sich angreifbar und können leicht Opfer von Unfällen, Stürzen, Aggressionen, etc. werden.

In simulierten Szenen kontrastierten wir demgegenüber ein Verhalten, das auf der Idee des Zanshin aus dem Karate-Training beruht: ein an die jeweilige Situation angepasste Rundum – Aufmerksamkeit, die ohne Angespanntheit den umgebenden Raum und die darin befindlichen Personen „scannt“.

Beispiel: Freizeitverhalten

unterwegs zu Fuß oder auf dem Fahrrad, insbesondere in unbekannter Umgebung: um so mehr gilt der Sicherheits-Modus: Zanshin : wo bin ich? wer ist um mich herum? Fluchtwege? wie kann ich gefährliche Orte (einsamer Fahrradweg, leere Seitenstraße, etc.) vermeiden, insbesondere abends?

Beispiel: öffentlicher Raum

Wir übten zunächst den De-Eskalations-Modus: nicht verbal reagieren, ruhig weitergehen, sich nicht provozieren lassen; aber: die Umgebung fest im Blick, deeskalierende Haltung der Hände vor der Brust, dabei jederzeit blitzschnell abwehrbereit ( Schutzhände); gleichzeitig : Fluchtwege checken.

Steht ein Angriff unmittelbar bevor: die fatale Opferrolle („Du Opfer!“) vermeiden, stattdessen: Gegenwehr-Modus: fester Stand, Schutzhände, Blickkontakt, laute Stimme: Stopp! Umstehende Personen um Hilfe ersuchen: „Sie in der schwarzen Jacke: helfen Sie mir!“

Was zu tun ist, wenn keiner hilft: sich selbst verteidigen!

Schwerpunkt: Selbstverteidigung (I-defense – basics Karate)

 

Erfolgreiche Selbstverteidigung beruht auf:

Rundumaufmerksamkeit (zanshin) + Deeskalation + Selbst-Verteidigung – Basics (Karate)

Zunächst werden die Basics der Selbstverteidigung mit Karate geübt

  • Schutzhände (Kopfschutz)
  • fester Stand
  • beweglich reagieren, direkt und schnell kontern
  • Hüfteinsatz bewusstmachen
  • richtige Fausthaltung und Fußstellung, geübt an aufgestellten Matten
  • richtige Atmung, Kampfschrei (Kiai) üben
  • Bauch spannen beim Auftreffen eines Stoßes /Schlages („meine Brust ist mein Panzer“)

Die Aktionen (Angriffe, Konter, Fallübungen) sind grundsätzlich

  • realistisch: Bezug auf: Schulraum, öffentlichen Raum , Freizeitverhalten
  • verhältnismäßig: nur leichte Berührung, nur Einführung; Trinkpausen
  • strukturiert: Übungen in Stufen und Phasen, angemessener Zeitplan, Wiederholungen,
  • transparent: Erklärungen, kleine Gruppen, nur positive Verstärkungen (Lob, Bestätigung)

Angriffe von oben nach unten, Abwehr: (aus Zeitgründen) rechts oder links, meine „starke“ Seite

Angriffe gegen: Kopf, Haare (bei Mädchen: Zöpfe), Nacken, Hals; gegen Körpermitte, Handgelenke, Unterleib; Angriffe von hinten (Umklammerung); Angriffe von unten (Fußtritte); entwinden persönlicher Gegenstände (Handys, Trinkflaschen, etc.)

Abwehr: Schutzarme – Schockschlag oder -Tritt – Konter (jodan, shudan,gedan ) mit Kiai – wegstoßen, wobei karatespezifische Aktionen (z.B. age uke, zuki,mae geri ,etc ) nur in Ansätzen geübt werden können

Abgeschlossen wurde der SV-Kurs mit:

Fallübungen (auf Matten) : fallen, abrollen, schnelles Aufstehen + Schutzhände

Verhältnismäßigkeit: nach praktischen Übungsbeispielen, die noch einmal das Gebot der Verhältnismäßigkeit bei jeder Selbstverteidigung betonten, erfolgte die

Präsentation:

Am dritten Tag kamen (konnichi wa ! ) die Eltern, Großeltern, Freunde, Mitschüler und Lehrer, um als Gäste die Präsentation der Übungen zur Selbstverteidigung CHG- RuhrDojo 2016 zu begutachten.

In diesem Zusammenhang wurde allen Anwesenden die positive Bedeutung des Karate (nicht nur) für junge Menschen verdeutlicht :Karate fördert Gesundheit, Selbstbewusstsein, Disziplin; Respekt, Gleichberechtigung: Mädchen sind genauso gut wie Jungen; Durchhaltevermögen, auch bei Schmerz; Karate fordert Körper und Kopf; der Angegriffene ist kein „Opfer“, er oder sie lernt sich effektiv zu verteidigen.

Karateka:

Dennis und Patrick S. sowie Nick S., sind sowohl Schüler des CHG
als auch Mitglieder der Karate – Fachschule RuhrDojo in Essen-Kray
Projektentwurf und Projektleitung: OStR i.R. Heiner Krawinkel

Text und Fotos: Heiner Krawinkel

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