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Hans Spiecker: Ein alter „Pauker“ und ein tolles Bild

11 Dezember 2010
 Dezember 11, 2010

An Hans Spiecker, einen alten „Pauker“ unseres Gymnasiums, der wohl nur noch wenigen bekannt sein dürfte, erinnert der Historische Verein für Stadt und Stift Essen im neuesten Band seiner „Essener Beiträge“.

Heinrich Wieneke würdigt dort den Theologen, Schulmann und Politiker, der vom 1. Oktober 1938 bis zum 1. April 1947 am Laurentiusweg unterrichtete, also während der unmittelbaren Vorkriegszeit, in den ersten Kriegsjahren, in der Kinderlandverschickung und den ersten Monaten des Wiederbeginns, bis Spiecker zum 1. Juli 1947 in das Amt des Schulleiters am Helmholtz-Gymnasium in Rüttenscheid berufen wurde. Geboren 1891 in Herchen im Siegkreis, kam Hans Spiecker als Achtjähriger nach Essen und bestand am Burggymnasium (an gleicher Stätte wie Carl Humann) 1909 sein Abitur. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie trat er am 1. April 1914 seinen Dienst als Studienreferendar am Realgymnasium Heinickestraße an, dem späteren Helmholtz-Gymnasium. Der 1. Weltkrieg unterbrach vorläufig die Lehrtätigkeit, ab 1919 unterrichtete Spiecker an der Krupp Oberrealschule – bis er 1938 ans CHG kam. Zwischenzeitlich hatte er die Lehrbefähigung in den Fächern Religion, Hebräisch (!), Geschichte, philosophische Propädeutik und Deutsch erworben.*Elf Monate später begann der Krieg mit immer deutlicheren Auswirkungen auf den Schulbebtrieb. Übrigens – G 8, also die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit, gab es damals auch schon… Ab Januar 1943, so Wieneke, mussten 15- und 16-jährige Pennäler als Flakhelfer militärisch Dienst tun, im Frühjahr des gleichen Jahres fuhr Spiecker mit 140 Schülern der Unter- und Mittelstufe sowie den Kollegen Karl Dittmar (Lagerleiter), Dr. Heinz Steinbrink, Aloys Pöppinghaus, Hermann Kreidt und Fritz Kaps in die Kinderlandverschickung nach Lomnitz (Böhmen), später nach Galtür und Ischgl in Tirol. – Im April 1945 weigert sich Spiecker, die kurz vor Toresschluss noch einberufenen Jungs in den Krieg ziehen zu lassen. Der Autor zitiert die Erinnerungen von Spieckers Tochter Ilse an eine heftige Auseinandersetzung des Studienrates mit Feldjägern. „Die unerwartet schnelle Einnahme Galtürs befreite uns von dem Alptraum.“ Am 6. Oktober 1945 wird Spiecker mit seinen Schutzbefohlenen wieder in Steele eintreffen, vier Wochen, bevor am 2. November der Unterricht am CHG wieder aufgenommen wird.Wieneke schildert im weiteren auch das politische Wirken eines ungewöhnlichen Lehrers, der bereits im ersten Nachkriegs-Stadtrat Essens saß, der 1950 in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gewählt wurde, dem er bis 1962 angehörte, und der ein glühender Bewunderer Konrad Adenauers war, des ersten Kanzlers der Bundesrepublik. 1956 wurde der Pädagoge und Schulleiter Hans Spiecker in den Ruhestand verabschiedet. Einer seiner nachmals bekanntesten Schüler, der Autor Jürgen Lodemann, sollte ihn später in einem Roman portraitieren, ohne ihn dezidiert beim Namen zu nennen.

Hans Spiecker starb im Dezember 1968. Die Erinnerungen an ihn in diesen Essener Beiträgen warten für die Humann-Ehemaligen noch mit einem echten Leckerbissen auf – einem alten Foto unserer Penne mit Direktorenhäuschen (ohne die späteren Erweiterungsbauten), einem hübschen Zaun vor dem „Vorgarten“ und der Schuluhr oben in der Fassade, wo seit Jahrzehnten ein leeres Quadrat auf eine neue Aufgabe wartet. Unbedingt sehenswert.

*Anmerkung der Redaktion:Hebräisch – das sollte mal jemand Pennälern und/oder Pennälerinnen 2010 abverlangen…

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